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In meinem Herzen ist noch Platz

In meinem Herzen ist noch Platz

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Brauchen ist vielleicht das falsche Wort, aber was ich mir wünsche: diesen kleinen Vintage-Sessel aus einer Haushaltsauflösung, den ich neulich zufällig in einem Secondhand-Laden entdeckte, mit babyblauem Bezug und so hübschem Holzgeflecht. Er stammt aus einem Strandhaus nahe Saint Tropez, tippe ich. Oder war es Sankt Heinrich? Bisher war die rüde Antwort auf diesen frommen Wunsch immer: No! Die Sache hat nämlich einen Haken, ich weiß nicht, wo ich ihn platzieren soll. Am liebsten hätte ich ihn in meinem Schreibsalon, damit ich ihn den ganzen Tag bei mir habe, meine Füße auf ihm ausstrecken und ihn immerzu angucken kann. Allerdings könnte es etwas beengt werden zwischen meinen Akten, Kristallschalen, meiner Chaiselounge und all meinen wilden Gedanken. Um mich abzulenken, fuhr ich erstmal zu meiner Freundin Maj in den neu eröffneten Alnatura-Markt in Starnberg, wo sie den besten Kaffee der Welt von „Röstperle“ präsentierte. Wir besoffen uns mit brasilianischem Espresso, schauten noch auf einen Sprung nebenan im Backladen vorbei, und am Ende rief ich meiner Freundin Annette euphorisch zu: „Ist doch fast wie in New York hier!“ Später landeten wir im französischen Viertel bei Sembritzki, Küsschen links, Küsschen rechts, ein Schluck Basa, gut gelaunte Worte über die Käsetheke hinweg, und ach, wir wären gern bis 2020 geblieben. Jetzt habe ich ein bisschen den Faden verloren. Was ich eigentlich sagen wollte: Wer liebt, fragt nicht viel. Weswegen ich gleich morgen früh loslaufen und meinen neuen Sessel kaufen werde. Denn ich habe da doch noch einen Platz gefunden: ganz tief in meinem Herzen.

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