GLEICH GEHT'S LOS

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Adieu, mon petit été francais

Adieu, mon petit été francais

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Tut mir echt leid, wenn ich meine schlechte Laune jetzt an euch auslasse. Aber dieser Sommer kann mich mal! Bitte nicht falsch verstehen, ich bin gern an meinem See, in meinem Starnberg, in meinem Leben. Aber seit Tagen, ach, was sage ich, seit Monaten bin ich wie ein Pferd in der Rennbox, das mit den Hufen scharrt. Endlich Bikinis, Plush Bombs und mein deutsch-französisches Wörterbuch einpacken und dann nichts wie weg hier, immer Richtung Süden! Vor meinem inneren Auge sah ich es schon genau vor mir: Wie ich in einem bodenlangen Kaftan Crêpes für uns alle zubereite, barfuß durch unser Petit Maison tanze, in der rechten Hand ein Pastis, in der linken eine Gauloises, obwohl ich doch Nichtraucherin bin, wie ich französische Chansons singe, morgens mit wehendem Haar durch Ramatuelle radel und dem Nachbarn fröhlich winkend „Salut Monsieur“ zurufe. Wie ich mit einem Baguette unterm Arm durch mein Viertel spaziere, mit den Jungs Boccia am Strand spiele und im legendären „Club 55“ so tue, als wäre es das Normalste der Welt, neben Bono eine komplette Rohkostplatte zu verdrücken. Sogar mein Dresscode für unser Dîner im EPI stand schon. Mon dieu, ich hätte ausgesehen wie Brigitte Bardot! Doch das Auswärtige Amt scheint die Pläne einer kleinen deutschen Autorin nicht bedacht zu haben. Heute morgen, exakt sieben Tage vor unserer Abreise, erwachte ich mit der Nachricht, dass über die Côte d‘ Azur eine Reisewarnung verhängt wurde. Nicht mehr nur Maskenpflicht am Strand, sondern nach Rückkehr auch Corona-Test und Quarantäne in einer Zeit, in der ich doch auf einer Hochzeit bin, wenn auch nicht auf meiner. Für einen Augenblick spürte ich mein wildes Herz nicht mehr, rannte zum Fenster und schnappte nach Luft. Ich weiß schon, ich weiß, wir müssen vernünftig sein. Weswegen wir auf der Stelle unser Häuschen und unseren Mietwagen (und es tut mir immer noch weh, dieses Wort auszusprechen) stornierten und seither in der Ecke sitzen und schmollen. Aber macht euch bitte keine Sorgen, ich werde jetzt erstmal in den See springen, sehr laut Amanda’s „Blau“ hören, meine Haferflocken-Vorräte auffüllen und stundenlang das Bad schrubben.

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